In der bis zum 10. Juni 1974 selbständigen Gemeinde Wehrda kann die Freiwillige Feuerwehr auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurückblicken. Sie wurde im Jahre 1904 gegründet.

Bereits am 9. Februar 1907 wurde für die damalige "Landgemeinde Wehrda" eine Ordnung betreffend die Regelung des Feuerlöschwesens" beschlossen. Diese Ordnung wurde am 23. März 1907 durch den Kreisausschuss genehmigt und war somit rechtskräftig. Die Feuerwehr der Gemeinde Wehrda bestand aus der Freiwilligen Feuerwehr und der Pflichtfeuerwehr.

Dienstpflichtig in der Pflichtfeuerwehr waren die männlichen Einwohner der Gemeinde vom vollendeten 18. bis zum vollendeten 50. Lebensjahr. Die Einreihung der dienstpflichtig gewordenen Personen in die Pflichtfeuerwehr erfolgte alljährlich im Januar durch eine aus dem Bürgermeister, dem Ortsbrandmeister und den Zugführern der Pflichtfeuerwehr bestehenden Kommission.

Unter bestimmten Voraussetzungen war man vom Dienst in der Pflichtfeuerwehr befreit, z.B. Bahnpolizeibeamte, Lokomotiv-, Bahnhofs-, Bahnbewachungs-, Zugbegleit- und Zugbeförderungsbedienstete, Ärzte, Apotheker usw.

Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr waren von der Dienstpflicht bei der Pflichtfeuerwehr entbunden, sofern ihre Statuten und Dienstordnungen vom Landrat bestätigt waren und ihre Leistungen den zu stellenden Anforderungen genügten.

Die Freiwillige Feuerwehr sollte bei dem Feuerlöschdienst zuerst zum Einsatz kommen, während die Pflichtfeuerwehr zur Ergänzung und Unterstützung diente.

Im Jahre 1914 erhielt die Freiwillige Feuerwehr eine fahrbare Handdruckspritze. Am 20. Januar 1914 wurde mit einer Eschweger Firma ein Liefer- und Kaufvertrag über die Anfertigung und Lieferung einer neuen fahrbaren, vierrädrigen Feuerspritze (Saug- und Druckspritze) neuester Konstruktion von 120 mm Zylinderweite für die Gemeinde Wehrda zum Preis von 1.650,- DM abgeschlossen. feuerwehr alt

 

 

Am 1. Juni 1940 gehörten der Freiwilligen Feuerwehr Wehrda 36 Feuer-wehrmänner an. Sie waren in 3 Gruppen mit je einem Gruppenführer und einem Maschinisten eingeteilt.

Der Feueralarm wurde durch Signalhorn gegeben. Die Gemeinde Wehrda hatte im Jahre 1941 1.380 Einwohner und Einwohnerinnen. Zu diesem Zeitpunkt war bereits eine Wasserleitung, 1 Hochbehälter mit 2 Kammern (160 cbm) , 20 Unterflurhydranten vorhanden. Der Wasserdruck betrug 1 bis 3 Atü. Zur Verbesserung der Löschwasserversorgung wurde der Bau eines höher gelegenen Hochbehälters vorgeschlagen. Außerdem wurde bereits die Anschaffung einer Motorspritze angeregt .

Für die Freiwillige Feuerwehr wurde am 31.Mai 1942 eine Motor-spritze mit Transportwagen bewilligt. Dies geschah auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Hermann Wagner, der die Anschaffung der Motorspritze mit Bericht an den Herrn Landrat für besonders dringlich hielt, da sich im Diakonissenmutterhaus außer einem Krankenhaus noch ein Reservelazarett befände und die Ortslage sehr auseinander gezogen sei.

Diese Motorspritze sollte die Handdruckspritze ablösen, da sie den gestellten Anforderungen in keiner Weise mehr entsprach. Während des Krieges wurden sowohl im Ortskern als auch auf dem Gelände des Diakonissen-Mutterhauses / Diakoniekrankenhauses Feuerlöschteiche angelegt, um für den vorbeugenden Brandschutz eine ausreichende Löschwasserversorgung sicherzustellen.

Die Freiwillige Feuerwehr erhielt im Januar 1944 eine Kraftspritze TS 8 - mit Zubehör und einen Einachshänger - TSA - mit Luftbereifung. fahrzeug alt

 
 

Im Jahre 1959 wurde zur schnelleren und wirksameren Alarmierung eine Sirene auf dem Dach des Landwirts Willi Hahn installiert.

Durch das stetige Anwachsen der Gemeinde musste gleichzeitig auch für eine bessere Ausrüstung der Feuerwehr gesorgt werden, um den Anforderungen des gesetzlich vorgeschriebenen Brandschutzes gerecht zu werden. Die vorhandene Tragkraftspritze reichte nicht mehr aus. Auf die Initiative von Bürgermeister Jakob Buckler wurde die Freiwillige Feuerwehr mit einem Löschgruppenfahrzeug LF 8 - TS ausgerüstet. Dieses Fahrzeug stand nach Fertigstellung des neuen Feuerwehrgerätehauses (am Bürgerhaus) im Jahre 1963 zur Verfügung.

lf8 alt

 


In den folgenden Jahren galt es, unter Berücksichtigung des Neubaugebietes, das sich bis zum Weißen Stein erstreckt, und des Gewerbegebietes an der Cölber Straße, den örtlichen Brandschutz ständig auszubauen und zu verbessern. Es wurden u.a. am Hause Mittelweg 19/20 eine zentrale Alarmanlage notwendig. Ferner musste die Ausrüstung ständig verbessert werden.

Im Juli 1984 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Wehrda ein modernes Löschgruppenfahrzeug LF 16.

Fahrzeuge



Die Dauerzumutung für die Freiwilligen Feuerwehrleute, in zwei Garagen untergebracht zu sein, in denen noch nicht einmal die nötigsten sanitären Anlagen wie Waschbecken, Toilette etc. vorhanden waren, bedurfte dringender Abhilfe.

Dieser Zustand konnte, nachdem auch die langerwarteten Landesmittel zur Verfügung standen, durch den Neubau des Feuerwehrhauses im Lärchenweg, 1988 geändert werden.

Fast Zeitgleich mit der Einweihung des neuen Feuerwehrhauses erhielt die Freiwillige Feuerwehr auch das neue Löschgruppenfahrzeug LF 8.

Chroni5

 


Im Jahr 2011, konnte das neue Löschgruppenfahrzeug (LF 20) in Dienst gestellt werden. Das neue Fahrzeug stellte, zu diesem Zeitpunkt, das modernste Einsatzfahrzeug der Marburger Feuerwehren da.

LF20

 


Aktueller Stand

Die Freiwillige Feuerwehr Wehrda besteht heute aus der Einsatzabteilung, der Alters- und Ehrenabteilung und der Jugendfeuerwehr.

 

Einsatzabteilung

Vielen wird nicht bekannt sein, dass es in der Stadt Marburg nur Freiwillige Feuerwehren gibt. So werden in Wehrda die Aufgaben der Feuerwehr von 36 Männern und Frauen freiwillig übernommen, die sich neben ihrem Beruf bereiterklärt haben, jeder Zeit (Tag und Nacht) im Feuerwehreinsatz aktiv zu werden.

Zu den Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr kommt neben Bränden in den letzten Jahren vermehrt die Hilfeleistung. Einsätze bei Not- und Unglücksfällen (bei Verkehrsunfällen, Umweltverschmutzungen und Wasserschäden, um nur einiges zu nennen) Ärgerlich ist es, wenn die Feuerwehrleute nachts durch mutwillig betätigte Feuermelder aus den Betten geholt werden, wie es doch leider öfter vorkommt.

Die Alarmierung der Feuerwehrleute funktioniert heute nicht mehr über den Sirenenalarm, sondern erfolgt von der Zentralen Leitstelle, Marburg-Biedenkopf, in Marburg, die unter 112 zu erreichen ist. Von dort wird Funkalarm ausgelöst, der die Feuerwehrleute über Funkalarmempfänger erreicht.

Ausgerüstet ist die Feuerwehr Wehrda zur Zeit mit drei Fahrzeugen:

  • Löschgruppenfahrzeug (LF 20), das mit einem 2.000 Liter-Tank ausgestattet ist.
  • Löschgruppenfahrzeug (LF 8 TS)
  • und Mannschaftstransportfahrzeug (MTF)
  • Außerdem befindet sich im Fuhrpark ein Öl -Schadensanhänger (ÖSA) für kleinere Öleinsätze auf Straße und Gewässer.

Untergebracht ist die Feuerwehr Wehrda seit 1988 im Feuerwehrhaus Lärchenweg 32.

Bei der Größe Wehrdas mit 6.240 Einwohner auf 812 ha, davon 340 ha Waldfläche und der vielen besonderen Objekte wie Krankenhaus, Gewerbegebiet, Hochhäuser und Behinderteneinrichtungen ist eine gute und moderne Ausrüstung der Feuerwehr nötig.

Geführt wird die Freiwillige Feuerwehr Wehrda seit 2010 von Wehrführer Markus Dehnert und seinem Stellvertreter Frank Missomelius. Die Übungsdienste finden alle 14 Tage Montags von 19.30 Uhr bis 22.00 Uhr im/am Feuerwehrhaus statt.

 

Jugendfeuerwehr

1977 wurde die Jugendfeuerwehr Wehrda von Heinrich Grebe und Hans-Jürgen Ochs gegründet und über 6 Jahre von Hans-Jürgen Ochs als Jugendfeuerwehrwart geführt. 1984 übernahm Jürgen Pfalz und Stefan Muth sowie Uwe Diehl die Jugendfeuerwehr. Ab 1995 wurde die Jugendfeuerwehr Wehrda von Markus Dehnert und Pierre Graf (bis 2000) sowie Frank Missomelius betreut. Seit 2011 leiten Philipp Schwarz sowie Nico Schwarz und Justine Laurent die Jugendfeuerwehr, die zur Zeit aus ca. 19 Mitgliedern besteht.

Die Jugendfeuerwehr Wehrda konnte im Jahre 2002 ihr 25- jähriges Bestehen mit Gästen im Feuerwehrhaus feiern.

Die Dienste der Jugendfeuerwehr sind immer Mittwochs in der Zeit von 18.00 Uhr bis 19.30 Uhr im Feuerwehrhaus. Jeder der Interesse hat und mindestens 10 Jahre ist kann gerne mal vorbeischauen.

Gruppe2017

 

Zu den Aktivitäten gehören, neben den feuerwehrtechnischen Übungen, auch sportliche Wettbewerbe und vielfältige Angebote aus dem Jugendfreizeitbereich wie Fahrten, Feten und andere Gruppenprogramme.

In Wehrda machte sich die Jugendfeuerwehr bekannt mit ihrer über 5 Jahre durchgeführten Weihnachtsbaum-Einsammlung, die in der Bevölkerung großen Anklang fand, weil die Stadt zum damaligen Zeitpunkt diese Sammlung nur im Rahmen der Sperrmüll-Abfuhr durchführte. Die gespendeten Gelder stellten die Jugendlichen gemeinnützigen Zwecken zur Verfügung. So bekamen mehrere Behinderten-Einrichtungen größere Geldspenden. Mit dem Erreichen des 17. Lebensjahres wechseln die Jugendlichen in die Einsatzabteilung der Feuerwehr über.

 

Alters- und Ehrenabteilung

In der Ehren- und Altersabteilung werden die langjährigen Feuerwehrleute nach ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst, mit Vollendung des 60. Lebensjahres oder bei bei dauernder Dienstunfähigkeit, übernommen. Auf Antrag werden auch Feuerwehrleute aufgenommen, die der Einsatzabteilung 25 Jahre ununterbrochen angehört haben.

Dieser Abteilung gehören heute 13 Feuerwehrleute an, die sich in jahrzehntelanger Arbeit für die Feuerwehr Wehrda engagiert haben.

 

Förderverein

Dem Verein "Freiwillige Feuerwehr Wehrda" gehören als Mitglieder neben der Einsatzabteilung, der Jugendfeuerwehr und der Alters- und Ehrenabteilung auch fördernde Mitglieder an, die mit , einem geringen Jahresbeitrag die Arbeit der Feuerwehr unterstützen. Jede/r Bürger/in des Stadtteils Wehrda kann also Mitglied im Verein werden.

Zu den alljährlichen Vereinsaktivitäten gehören: Das Winter/Faschingvergnügen , eine jährliche Fahrt oder Wanderung und das Würstchen-braten am Himmelfahrtstag im und um das Feuerwehrhaus, zu dem alle Bürger/innen recht herzlich eingeladen sind.

 

Text und Layout: Rainer Schwarz und Wehrdaer Blättchen